Eintrag Nr. 1512

„Kleine Gruppen terrorisieren den Rest der Gesellschaft.“

„ [...] Das Nicht-Umsetzen einer Impfpflicht, so Köller, führe im Betreuungsbereich auch zu einer „Geiselhaft“ für Bewohner: „Wie kommen alte Menschen dazu, dass sie ihre letzten Jahre unter Haftbedingungen verbringen, nur weil sich das Personal nicht impfen lässt?“ Wer sich in solchen Berufen nicht impfen lassen will, „der hat seinen Beruf verfehlt“, sagt Körtner, „so hart das klingt“.

Aber entsteht nun eine Welt, wo Ungeimpfte am Ende nur noch einkaufen und in öffentliche Verkehrsmittel dürfen? „Wenn wir ein bisschen Pech haben, treibt uns genau die Gruppe wieder in einen Lockdown, wo dann ganz Österreich nur in die Öffis und in den Supermarkt darf“, sagt Köller. Und Körtner ergänzt: „Kleine Gruppen terrorisieren den Rest der Gesellschaft. Dann werde ich als Geimpfter am Ende wieder in meinen Grundrechten eingeschränkt, weil eine hartgesottene Minderheit keinen Gemeinschaftssinn hat.“ Er fordert mehr Mut von der Politik: Das Thema „auf die privatrechtliche Ebene zu verschieben“, sei feig. „Man kann ja auch nicht fragen: ‚Wieso zwingt man mich, einen Führerschein zu machen? Ich will einfach so Auto fahren.‘“ Der Staat stelle also auch in anderen Bereichen Bedingungen für den Zugang zu gewissen Gesellschaftsbereichen."

Prof. Ursula Köller Bioethikkommission im Bundeskanzleramt &
Prof. Ulrich Körtner vom Institut für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien
KRONENZEITUNG online, 30.07.2021
https://www.krone.at/2474360

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